Evangelische Sankt Petersgemeinde
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Predigt zum Abschied aus der Petersgemeinde am 5. Juni 2016
Pfarrerin Lisa Neuhaus

Der Friede Gottes sei mit euch allen.

„Schatz, ich bin in der Kirche. Brauchen wir was aus der Kirche?“             

Könnte das ein Satz aus dem wirklich wahren Leben im Nordend sein, liebe Gemeinde?
Er stammt aus einer Karikatur,  die ich geschenkt bekommen habe:
Ein Mann, mit Tasche und mit Telefon am Ohr, betritt eine helle leere Kirche,
eine alte Frau sitzt in einer Bank, an der Wand hängt ein Kruzifix.
Der Mann  macht es wie beim Einkaufen:
„Schatz, ich bin bei „Zeit für Brot“. Brauchen wir was von Zeit für Brot?“

Wir sind in der Kirche. Brauchen wir was aus der Kirche?

Ich habe viel gebraucht in den letzten 21 Jahren.
Wohlklänge und anregend schräge Töne.
Trubeliges Leben und Stille.  Das  gemeinsame Singen.
Den Geschmack von Brot und Wein, besonders am frühen Ostermorgen…
Die Freude an den  neuen Abendmahlstellern.
Und vieles mehr.

Gebraucht habe ich aus der Kirche Worte.
Worte, die zu Lebensworten für mich geworden sind,
weil ich sie hier aussprechen und weitersagen konnte
und weil sie Resonanz gefunden haben.

Dein Haus Gott habe ich gern,
finde Licht dort,  
deine leuchtende Kraft,
dein Wort dort, strahlend,              
dort ist meine Seele zuhause.  ---

„Brauchen wir was aus der Kirche?“
In den letzten Wochen habe ich noch einmal viel darüber erfahren,
was Menschen hier in der Kirche gefunden haben:
Halt, Inspiration, Trost, Stärkung,  Verbundenheit, Durchblick.
Raum für Tränen wie für  Dankbarkeit und Freude.
Die Verbindung, die durch Singen und Musik entsteht.
Wahrheit und Klarheit. Segen. Und anderes.
Wie schön, wenn es so ist!

„Schaatz, brauchen wir was aus der Kirche?“
Die Frage gefällt mir.
Sie gefällt mir viel besser als der Satz,
den ich als Pfarrerin vermutlich am häufigsten gesagt bekommen habe: 
„Wir sind ja keine Kirchgänger, wir kommen ja nicht so oft zum Gottesdienst, aber …“

Dieser Satz ist irgendwie unnötig in der evangelischen Kirche – 
und erst recht der entschuldigende Unterton.
Es gibt ja bei uns  keine Gottesdienstpflicht.
Es gibt Menschen, die regelmäßig kommen, weil sie das wollen,
und andere kommen dann, wenn sie Lust darauf haben oder es brauchen.

Meine eigene Lust am Gottesdienst konnte ich hier reichlich austoben
und dafür bedanke ich mich -
besonders bei denen, die diese Lust mit mir geteilt und gestaltet haben.

Brauchen wir was aus der Kirche?
Es gibt Anlässe, bei denen Menschen plötzlich merken,
dass sie etwas aus der Kirche brauchen.
Das habe ich immer wieder erlebt.
Menschen kommen,
wenn sie ein Gegenüber brauchen für ihren Dank: für ein Kind oder anderes Glück im Leben.
Manche brauchen was aus der Kirche, wenn sie einen Menschen verloren haben.
Wenn sie am Boden sind. Wenn ein Zeichen sie erreicht hat.
Und zu Weihnachten sowieso….

Ja, liebe Gemeinde.
Fragen wir uns immer mal, ob wir was aus der Kirche brauchen.
Ein Wort, einen Klang, Zeit zum Nichtstun,  vielleicht einen Lichtstrahl.
Die fallen ja manchmal  auch im Dunkeln oder zu Vollmond in die Kirche ein.

Ich nehme mir heute einen Lichtstrahl als Vorrat mit. 
Wer weiß, wann ich ihn brauche.

Noch einmal Psalm 26:
Dein Haus Gott habe ich gern,
finde Licht dort,     
deine leuchtende Kraft,
dein Wort dort, strahlend,    
dort ist meine Seele zuhause.

Und weiter geht es im Psalm so:
Bring uns zur Einsicht, Gott.
Bring unsere Füße kräftig in Gang.
Hilf uns tun, was es braucht in dieser Welt.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft,
bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.

 

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